Die zweite Wartezeit beginnt

… für uns und für Euch in dieser Kategorie „Adoption bis zur Abholreise„.

Scrollt ganz nach unten und auf die erste Seite dieser Kategorie, um der Reihe nach zu erfahren wie es uns ergeht.

Eine letzte Telko vor der Ankunft …

… hat sich der Vorstand des anderen Adoptionsvereins nicht nehmen lassen. 

Man teilte uns mit, dass morgen ein Fernsehtermin bei der Ankunft der Kinder dabei sein wird. Wer für die Sendung, die bei RTL gezeigt wird, nicht gefilmt werden möchte, soll das doch vorher dem TV Team mitteilen. 
Nachdem der Vorstand aus der Telko ausgetreten ist, haben wir 4 Elternpaare noch kurz darüber gesprochen, dass die Kinder wenn dann nur von hinten gezeigt werden sollten.

Wir hatten bei unserer Spendenaktion auch bei RTL / Stern TV angefragt, ob man uns unterstützen kann. Mit der Rückmeldung, dass es sich um zu wenige Kinder handelt um einen Beitrag zu machen wurden wir ich nenne es mal: ZURÜCKGELASSEN.

Auch hat uns der Vorstand in dieser letzten Telefonkonferenz vor der Ankunft mitgeteilt, dass der „zuviel gezahlte“ Teil unseres Eigenanteils doch bitte an die Heime gespendet wird. Wir möchten dies bitte bis morgen Früh bedenken. 

Mit diesen beiden Mitteilungen, mit einer weiteren Familie und leckerer Pizza haben wir den letzten Abend ohne Kinder verbracht. Pünktlich um 24 Uhr gehen jetzt die Lichter in unserem Ferienhaus aus, da um 3.00 Uhr der Wecker zur Abfahrt nach Karlsruhe klingel.

Unsere Wegbegleiter

Unsere Adoptionsvermittlungsstelle hat ihre Räumlichkeiten in Berlin. Dort sind täglich zwei Sozialarbeiterinnen zu erreichen, die für uns Adoptiveltern jegliche Kommunikation mit Haiti koordinieren, uns rund um den Adoptionsprozess beraten und auch während des Verfahrens immer ein offenes Ohr haben, wenn wir dieses in Anspruch nehmen wollen. 

Die erste Kontaktaufnahme wurde also von uns nach Berlin versendet. Wir haben daraufhin eine Infobroschüre und einen Termin zur Teilnahme an einem kostenlosen Informationstreffen, das von ehrenamtlichen sogenannten Kontakteltern regional durchgeführt wird, bekommen. Mit diesen Kontakteltern haben wir während der letzten 7 Jahre immer wieder Kontakt gehabt. Sie haben sich oft nach unserem Befinden und dem Aktenstand erkundigt. Sie selber haben ein Mädchen aus Thailand adoptiert und haben uns einen ganzen langen Nachmittag bei Ihnen zu Hause einen Eindruck vom Adoptionsverfahren und der Zeit nach Ankunft des Kindes gegeben.

Nach dem Einreichen der Antragsunterlagen für das Verfahren hatten wir ein erstes Gespräch mit den ebenfalls ehrenamtlich tätigen sogenannten Beratungseltern. Beratungseltern sind ebenfalls Familien, die bereits Kinder aus dem Ausland adoptiert haben. Wir hatten Glück, da diese Familie bereits 2 Kinder aus Haiti adoptiert hat. Ich hatte ja schon vor einiger Zeit berichtet, dass wir auch bei dieser Familie zum zweiten Gespräch zu Hause zum Pizzaessen waren und wir viel über das Verfahren und was danach kommt berichtet bekamen. Kurz vor unserer Besuchsreise in Haiti hatten wir noch einmal Kontakt zu unseren Beratungseltern und um Tipps und Tricks bzgl. dieser Reise gebeten. Wir wurden gebeten, uns doch bitte an die Länderbeauftragten zu wenden.

Diese Länderbeauftragten informieren sich nach besten Kräften über soziale, geschichtliche, kulturelle, politische und wirtschaftliche Probleme „ihres“ Landes und geben ihr Wissen an die Bewerber weiter. 

Wir hatten jedoch auf einen Erfahrungsbericht aus “erster” Hand eben von unseren Beratungseltern gehofft.

Vorgestern haben wir unerwartet eine Email von ihnen bekommen, in der man uns für den Weg der Abholung durch uns in Haiti alle Daumen drückt und uns alles erdenklich Gute wünscht. Weiter hoffen sie, dass wir „…auf der Insel in Sicherheit. …“ sind.

Auch unsere damaligen Kontakteltern haben uns in den letzten Wochen immer wieder zur Seite gestanden und uns heute einen schönen letzten Paartag gewünscht.

Nach einer DANKSAGUNG von uns kamen weitere Zeilen von ihnen:

”Das ist selbstverständlich, wir wissen doch wie es uns geht mit den Zweifeln zwischendurch,…… “

Wir sind nun seit fast 8 Wochen in Deutschland und haben gefühlt 110% aller Menschen dieser Erde mit unseren Problemen, Gefühlen und Erfahrungen beschäftigt. Von unseren Beratungseltern haben wir in den letzten 5 Jahren nie etwas gehört. Und jetzt melden sie sich, weil sie irgendwo gelesen haben wollen, dass wir selber zur Abholung nach Haiti reisen. Also NEIN, es ist eben nicht selbstverständlich, dass man sich so um uns bemüht. Und deswegen sind wir dieser Kontaktfamilie auch so dankbar!

Wieso ich diesen Zeilen einen eigenen Beitrag widme?

Genau wie wir als Adoptionsbewerber durchleuchtet wurden, “durchleuchten” wir mit diesem Blog auch alle beteiligten Stellen in unserem Adoptionsverfahren. Auch die obigen Erfahrungen gehören zu unserer Reise dazu. Jedes werdende Adoptivelternpaar sollte so genau wie möglich wissen, was sie in den kommenden Jahren erwartet. Ob positive oder nicht so positive Erfahrungen, die Philosophie „Alles zum Wohle des Kindes.“ sollte insbesondere nach der Besuchsreise auch für die Adoptiveltern gelten.

Wir wurden von vielen so nicht zu erwartenden Erfahrungen überrascht. Einige Abläufe im Adoptionsverfahren könnte man durch unsere Erzählungen vielleicht optimieren oder sogar verbessern und damit zukünftigen Bewerbern den Weg durch das Verfahren erleichtern. 

Kartoffelbrei oder Reis?

Das Bürgeramt hat uns nun einen Termin zum Beantragen des Reisepasses für Néhémie bestätigt. Dienstag, 10.36 Uhr. “Genauso machen wir es” wurde uns per Mail geantwortet auf die Frage, ob die von uns beigefügten Unterlagen vollständig sind und der Ausstellung des Passes damit nichts im Wege steht. 😕 Veremos que pasa. – würde der Spanier sagen.

Auch in den letzten Tagen hat man uns wieder täglich vor neue Herausforderung gestellt. So haben wir einen Haftungsausschluss zur Unterschrift vorgelegt bekommen, der unter anderem besagt “Die beteiligten Adoptiveltern versichern, dass die Kosten für den Flug von ihnen übernommen werden, auch wenn am Ende der Transport jedes einzelnen Kindes nicht realisierbar ist.“, man hat unsere Spendenaktion mit den Worten “Sie stehen beim jetzigen Spendenstand bereits günstiger für den Flug da, als wenn Sie selbst ihr Kind abgeholt hätten.“ beschrieben, für einen Kindersitz im Mietwagen wollte die Firma Buchbinder für 11 Tage stolze 120 Euro berechnen … 
Kann sich jemand vorstellen wie es ist, wenn man 7 Wochen von einem Tag auf den anderen sich an Möglichkeiten klammert, die eine zeitnahe Abholung der Kinder aus Haiti ermöglichen könnten. Und wie es ist, wenn diese 24 Stunden später doch nicht realisierbar sind? Wie es ist, wenn man sich bei der Organisation eines privaten Fluges von Deutschland nach Haiti und mit 10 Kleinkindern zurück, auf diverse andere Parteien verlassen, man selber nur eine beachtliche Summe an Euronen dafür aufbringen muss und am Ende es noch nicht einmal die Garantie gibt, dass sein Kind auch in diesem Flieger sitzen wird? 
Würdet ihr 3 Tage vor Abflug diese Zeilen des Haftungsausschlusses unterschreiben?

Ja, wir haben unfassbar viele Spenden erhalten. Keiner von uns Eltern hat wirklich daran geglaubt, dass der Flieger finanziert werden kann.
Dass wir nun aber weniger für die Abholung zahlen, als wenn wir ohne Corona und auf direktem Weg nach Haiti geflogen wären, ist völlig falsch.
Mal davon abgesehen, dass wir Bornis seit 7 Wochen in Deutschland von Apartment zu Apartment ziehen, kein Einkommen seit über 8 Wochen haben, haben wir einen Eigenanteil von momentan 6.500 Euro bezahlt. Eltern mit 2 Kindern demnach 13.000 Euro. 
Zum Vergleich: die Besuchsreise hat nur für uns beide 2.500 Euro für die Flüge gekostet, zzgl. Hotelkosten auf europäischem Niveau für 17 Übernachtungen, zzgl. Transferkosten, etc.. Dazu kommt noch, dass niemand jetzt sagen kann, was wir 3 Bornis genau an Kosten gehabt hätten, wenn sich die Welt ab Mitte März “normal” weitergedreht hätte.

Gestern sind wir also mit dem gemieteten Kindersitz von Europcar (60 Euro für 11 Tage) weitergezogen und nun ca. 40 Minuten vom Landeflughafen der Kids entfernt. 

Heute sitze ich nach über 7 Wochen endlich mal wieder “entspannt” in einem Garten (in Lingenfeld bei Speyer), mit Blick auf ein grünes Feld, mit Vogelgezwitscher in den Ohren und der Sonne im Gesicht. Noch 2 mal schlafen – dann sollen die täglichen Aufgaben rund um die Organisation der Abholreise unserer Püppi vorbei sein. Noch 2 mal schlafen – dann dürfen endlich wir Eltern über den weiteren Weg unserer kleinen Familie bestimmen. Noch 2 mal schlafen – dann sind die Bornis endlich vollständig.

Stimmt, dass bringt neue Herausforderungen mit sich. So haben wir uns gestern im Supermarkt damit beschäftigt, was denn unser kleiner Süßfratz zum Mittagessen möchte, könnte, gern probieren würde. Bisher gab es ja schon eine beachtliche Auswahl an “Reis mit roten Bohnen-Variation”. Außerhalb der Heimmauern bietet das Leben ja nun aber eine noch viel größere Welt der gesunden und vollwertigen Ernährung für Kinder. Aber können unsere Mädels denn schon richtig kauen? Wie reagieren sie auf Kartoffeln, Hähnchen und knackiges Gemüse? Pulvermilch ab 2 Jahre? Vollmilch aus dem Tetrapak? Aus dem Milchautomat? Kuh-, Reis- oder Hafermilch? Naturtrüber Apfelsaft? Nektar? Oder doch frisch gepresst? Vollkorntoast oder Vollkornbrötchen? Mit Schocki oder Honig? Es bleibt spannend und wir werden wohl schauen müssen, was passiert und wonach es dem kleinen Wesen mundet.

Rückblick Nadine – Was danach passierte

In der Telefonkonferenz vom Montag mussten wir natürlich die finanzielle Seite des Mitnehmens von den italienischen oder holländischen Kindern weiter und auch abschließend besprechend.
So hat uns das Elternteil, was keine anderen Kinder finanzieren wollte gleich zu Beginn um Verständnis und Entschuldigung für seine Aussage gebeten und seine Lage, wie es dazu kam erklärt. 
Wir haben diese Aussprache so angenommen und uns alle auf eine für jeden akzeptable und umsetzbare Möglichkeit für die Mitnahme dieser Kinder geeinigt. Unsere Gruppenbezeichnung „Haiti – Alle zusammen“ hatte nun wieder Festigkeit.

Ein „auf uns Zukommen“ vom greischendem Elternteil kam leider bis heute nicht. Ich konnte und kann die damalige Situation natürlich nachvollziehen und erwarte auch keine Entschuldigung. Der Emotionslevel war bei über 180, dennoch denke ich, sollte man in einer ruhigen Minute nur mal kurz über das Geschehen an diesem Vormittag und den Standpunkt und das Handeln seines Gegenübers über- und bedenken. 

Wer fliegt nun alles mit?

Der Flieger hat Plätze für 10 Kinder, die auch alle besetzt werden sollten.
Es werden von 5 deutschen Familien 7 Kinder und von 3 holländischen Paaren 3 Kinder ausgeflogen. 
Insgesamt sind am Ende also 8 Familien und 10 Kinder involviert. Unser aller Eigenanteil an diesem Privatcharter ist nun deutlich gesunken. Wir haben pro Kind einen Eigenanteil von 6.500 Euro gezahlt. Da noch immer Spenden eingehen, wird sich dieser noch etwas reduzieren und wir werden dann eine Erstattung vom organisierendem Verein erhalten. Laut schriftlicher Bestätigung des Vereins und nach einem Telefonat mit unserem Verein, der das Spendenkonto betreut, muss diese Vorgehensweise so eingehalten werden, damit das Spendenkonto später rechtlich einwandfrei abgerechnet werden kann.

09 05 2020 – 6 Uhr – Karlsruhe

Nach 6 Wochen Kampf, unsere Tochter aus Haiti nach Hause zu holen, können wir endlich berichten, dass der Flug, für den wir so zahlreiche Spenden erhalten haben, am Freitag von Haiti nach Deutschland, gebucht wurde. 🇭🇹

An dieser Stelle möchten wir DANKE sagen an alle, die uns Mut gemacht, unterstützt, unsere Spendenaufrufe geteilt und einen Beitrag geleistet haben.

Nun heißt es DAUMEN DRÜCKEN 🍀, dass nächsten Freitag alles glatt läuft und wir wie geplant am 09.05. früh morgens unsere Tochter in den Arm nehmen können. 🤗

Wie der Flug nun genau abläuft?

Das Flugzeug startet in Basel und fliegt, nun sogar mit ein paar Hilfsgütern nach Port-au-Prince. Dort werden die Kinder zum Flughafen gefahren und mit Unterstützung unseres Anwaltes und einer Mitarbeiterin der deutschen Botschaft durch den Checkin gebracht. Von ihren Begleitpersonen werden die Kinder in Empfang genommen und auf dem 10-stündigem Heimflug begleitet.

Mit 4 Piloten, einer davon ist auch Arzt und 4 weiteren Stewardessen tritt unser Süßfratz also die Reise ihres Lebens an. Das erste mal Fliegen für Püppi, mit ihr unbekannten Personen – die auch nicht dieselbe Sprache sprechen –  und in einem ihr bis dahin unbekannten Transportmittel …
Jede Mama kann sich jetzt ausmalen, was das genau für ein Kind bedeutet und wie man sich als wartende Mami dabei fühlt.

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In Berlin angekommen haben wir uns letzte Woche gleich zum nächstgelegenen Bürgeramt (Prenzlauer Berg) gewagt, um Néhémie dort anzumelden und eventuell schon ihren Reisepass zu beantragen. Momentan bekommt man nur sogenannte Nottermine über das Internet vereinbart. Dennoch wollte sich die Dame aus Zimmer 11 unserer Angelegenheit annehmen. Sie erklärte uns also, dass unsere Adoption zuerst bei einem deutschen Gericht anerkannt werden muss und sie dann den Pass ausstellen kann. Dies würde um die 4 Wochen dauern und danach sollten wir mit unserer Tochter noch einmal vorbeikommen.
Ich sagte der Mitarbeiterin, die sich vorher mit 2 Kollegen beraten hatte, dass ich dies nach 7 Jahren Adoptionsverfahren laut dem ”Haager Übereinkommen”, heute das erste Mal höre. Mit strengem Blick und der Überreichung eines Ausdruckes “Gesetz über Wirkung der Annahme als Kind nach ausländischem Recht (Adoptionswirkungsgesetz – AdWirkG) § 2 Annerkennungs- und Wirkungsfeststellung” hat sie mir erklärt, dass dies gesetzlich so vorgeschrieben sei.

Super genervt und mit tausend Gedanken, wie wir nun am 15.05.2020 mit unserer Tochter auf die Insel kommen sind wir zurück zum Apartment gelaufen und haben von dort aus bei unserem Verein angerufen.
Unsere Sozialarbeiterin hatte nur eine kurze Antwort, auf meine Erzählungen: “Da hat die Dame wohl ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Es gibt nach §2 noch einen §3.”
Unter §2 steht ja auch, dass von der Feststellung abgesehen werden kann, wenn gleichzeitig ein Umwandlungsausspruch nach §3 besteht.

Durch das Haager Übereinkommen (HAÜ) ist unsere Adoption also in Deutschland und in Haiti schon rechtssicher anerkannt und wir können den Reisepass sofort ausgestellt bekommen, wenn wir gemeinsam mit Püppi und einem Passbild von ihr beim Bürgeramt vorstellig werden.

Welches sind die Ziele des HAÜ?

  1. Einführen von Schutzvorschriften, damit internationale Adoptionen zum Wohl der Kinder stattfinden und die Entführung und der Verkauf von Kindern sowie der Handel mit ihnen verhindert werden können.

  2. Einrichten eines Systems der Zusammenarbeit unter den Vertragsstaaten, um die Einhaltung dieser Schutzvorschriften sicherzustellen und zu

  3. gewährleisten, dass nach dem Verfahren dieses Abkommens zustandegekommene Adoptionen direkt anerkannt werden

Punkt 3 ist also der für uns in diesem Fall wichtigste. 
Wir haben nun per Email einen Notfalltermin beantragt und warten seit letzten Mittwoch auf Bestätigung dieses Termines. Telefonisch war letzte Woche niemand erreichbar. Wir versuchen es also morgen wieder.

Auch haben wir für die Woche nach Ankunft der Kinder bis zum Heimflug nach Mallorca ein Apartment in Berlin gebucht. Dieses wurde uns per Email bestätigt. 24 Stunden später hat man festgestellt, dass diese Räumlichkeiten wohl gerade renoviert werden. Wir haben uns eine Alternative bei diesem Anbieter rausgesucht. Auf der Webseite war diese laut Buchungskalender verfügbar. In der Realität leider aber auch schon besetzt. Die dritte Alternative hält bis heute Stand.

Heimflug schon gebucht?
Ja, auch hier mussten wir schnell tätig werden, da die Flugpreise bei kurzfristiger Buchung momentan super hoch sind. Wie beim Apartment hat man uns nach Buchung und gleichzeitiger Bezahlung des Fluges mitgeteilt, dass dieser nicht stattfinden wird und wir unsere Zahlung in 20 Werktagen erstattet bekommen.

Kein Problem, unser Girokonto ist ja ohnehin gerade wegen Überfüllung geschlossen…

Rückblick Nadine

„Die Ämter mögen das nicht“

Heute ist der 26.04.2020, wir sind gut in Berlin angekommen und haben uns die letzten beiden Tage eingerichtet und organisiert. Da wir die Möglichkeit der Abholung unserer Kinder mit einem privaten Charter und das weitere  Miteinander unter den Adoptiveltern nicht „gefährden“ wollten veröffentlichen wir die folgenden Zeilen erst heute. 

Nach vielen Wochen mit Kopfstress konnten wir uns heute mal wieder ein gewohntes Sonntagsfrühstück zubereiten. Abschalten mit einer zuckersüßen Mango und einer Doku über kriminelle Clans in Deutschland.

Wie ein Clan, KEIN KRIMINELLER NATÜRLICH, so kamen wir uns irgendwie in den letzten Wochen – man kann ja schon Monate sagen – vor. Wir haben zusammengehalten, Pläne geschmiedet und diese gemeinsam umgesetzt.

Wir haben nur ein gemeinsames Ziel: Unsere Kinder nach Hause holen. 

Mein Standpunkt ist dabei auch immer gewesen, eine finanziell vertretbare Möglichkeit zu finden. So haben wir den zuletzt angebotenen Linienflug der Airfrance auch in Betracht gezogen, während schon die Organisation des privaten Charter lief. Unseren Aufruf habt ihr bei facebook verfolgt und uns tatkräftig mit Teilen und Suchen von Flugbegleitern für unsere Tochter unterstützt. 
Das fand nicht bei allen Beteiligten positiven Anklang. So wurde ich mit Aussagen wie „Die kann echt Schaden anrichten“, „Die Ämter mögen das nicht“, „Sowas bringt uns ins Grab“, „Sie gefährden euch sehr“ und „Leute, haltet euch bitte zurück!“ ermahnt. Einige Aussagen wurden mir gegenüber, persönlich in einer Art und Weise, wie ich sie nur aus dem Trash-TV kenne, vorgetragen. In meinen Augen in ganz falschem, schon nicht mehr einfach nur lautem Ton wurde ich in eine Art Schockstarre versetzt, wo ich bis heute verweile. Ich denke täglich über diese Szenen nach. Auch, nachdem man später von Vereinsseiten her das GO für einen facebook-Aufruf gegeben hatte, kam leider keinerlei Reaktion mehr mir gegenüber von diesem damals emotional völlig außer Kontrolle geratenen Elternteil.

Da stand eine Möglichkeit im Raum, die Kinder für deutlich weniger Geld abzuholen. Diese Möglichkeit wurde uns jedoch genommen, mit der Begründung, dass die andere Möglichkeit (der private Charter), die jeden von uns über 20.000 Euro kosten sollte, gefährdet wird mit den Worten „sonst findet diese nicht statt.“. Eine Aussage, die ich bis heute nicht verstanden habe.

Da wir gerade aufgrund von Corona quasi einkommenslos sind und gerade einmal rund 1.000 Euro Kurzarbeitergeld bekommen, wollte ich alle Varianten für uns durchgehen und versuchen, die beste zu finden. Ob meine wirtschaftlich vernünftigere Variante ein Schaden für den privaten Charter gewesen wäre, bezweifle ich ganz stark. Zumal beide Varianten nicht voneinander abhängig waren. Nachdem für uns, Philip und mich, die Variante der Abholung unserer Kinder entschieden wurde, haben wir unsere finanzielle und damit natürlich auch private Lebenslange bei facebook veröffentlicht. Auch dies fand in unserer Elternrunde nicht bei allen einen positiven Anklang.

Wir Eltern waren uns eigentlich einig gewesen, dass wir auch über facebook unser Anliegen teilen sollten, um eine möglichst große Reichweite zu erreichen. Wir haben dies mit unserem Vereinsvorstand abgesprochen, welcher uns das OK für eine private Spendenaktion gab. Diese schriftliche Zusage war einigen Eltern dennoch nicht ausreichend und nicht von ihrem Verein (der den privaten Charter organisiert) ausgesprochen, sodass wir wieder einige Tage verloren hatten, bis in einer weiteren Telefonkonferenz mit beiden Vereinen, das GO auch vom anderen Verein deutlich ausgesprochen wurde. Ein weiteres, für uns emotional auf einem Tiefpunkt verbrachtes, Wochenende ging vorbei.

Am Dienstag darauf wurde uns also ein privater Spendenaufruf auf facebook genehmigt. Einmal mehr wurde mir hier klar, dass wir in einem Adoptionsverfahren nur reagieren, und erst wenn das Kind bei uns zu Hause und an unserer Hand läuft, agieren und vor allem selbst entscheiden können. Auch zeigt mir das Durchlebte, wie unterschiedlich Adoptiveltern handeln, wenn es um die Sicherheit ihrer Kinder geht. Philip und ich sind da eher so, dass wir uns mehr auf uns selber verlassen und gemeinsam mit vielen möglichen Helfern zusammen das Problem lösen wollen. Andere lassen gern für sich lösen und wieder andere handeln, wie man es ihnen vorschreibt.

Jetzt kennt Ihr auch den Grund, wieso wir nach 5 Wochen von Kleinwallstadt nach Berlin gereist sind. Es war uns mit unseren Gastgebern nicht mehr möglich gemeinsam an einem Strang zu ziehen und die Wartezeit zu überstehen.

Wir erlebten aber noch eine weitere, ziemlich skurrile Aussagen und Situationen mit anderen Eltern in unserer Gruppe …
„… ihr müsst ja nur für ein Kind bezahlen …“, „… ich finanziere mit meinem Betrag keine anderen Kinder …“, „… schließlich konntet Ihr euren Eigenanteil erhöhen bei gleichzeitiger Reduzierung vom moneypoolbetrag“

Zu diesen Aussagen uns gegenüber nahmen wir gern Stellung. Drei Elternpaare hatten bei Paypal einen Moneypool angelegt, für Spender, die keine Spendenquittung brauchen, anonym bleiben oder uns auch gern mit einem Euro unterstützen wollen.
Zu unserem Moneypool-Betrag hatten wir Spenden von unserer Familie hinzugezählt und somit in den Gemeinschaftspott gelegt. Nachdem aber von einer Familie mehrfach die Aussage „… ich finanziere mit meinem Betrag keine anderen Kinder …“ fiel, hat nicht nur unsere Familie Bedenken geäußert, ob wir wirklich davon überzeugt sind, dass es die anderen Familien wirklich „wert seien“, für alle in einem Pott zu sammeln. So haben auch wir schließlich Gelder unserer engsten Familienangehörigen zu unserem persönlichen Eigenanteil hinzugezählt und sind somit auf denselben Eigenanteil pro Kind wie die anderen Familien gekommen.
Es ist den anderen drei Familien und deren Spendern schon sehr undankbar gegenüber. Da haben sie so unglaubliche Summen auf das Spendenkonto und deren Moneypools eingezahlt und werden von diesem Elternpaar „angezählt“, weil wir weiteren Kindern die Möglichkeit geben wollen, auch mit etwas weniger finanziellem Aufwand der Eltern nach Hause zu kommen.

12.30 Uhr Telko

Wie oft haben wir uns in den letzten 5 Wochen dort eingewählt und auf unserer Mietcouch über den Rechner gebeugt …… gelauscht, gesprochen, unsere Meinung hart vertreten und mit den anderen Eltern einen Plan ausgearbeitet.

Heute waren beide Vereine mit dabei und alle 4 Familien. 

Das Ergebnis?
Leider ist der 26.04. nicht mehr umsetzbar. Der Preis für den Charter muss überwiesen werden, damit die Fluggesellschaft alles weitere organisieren kann. 

Jetzt haben wir bis Anfang Mai Zeit, um die noch fehlenden 40.000 Euro (Stand 21.04.2020) mit Eurer Hilfe in unseren Spendentopf zu bekommen.
Es kommen stündlich Einzahlungen von Euch. Wir sind total überwältigt, von Eurer Unterstützung. WIR SCHAFFEN DAS!

Heute hat eines unserer Kinder Geburtstag. Sie wird 3 Jahre und “feiert” leider auch diesen Geburtstag im Kinderheim. Jeder Tag zählt also für uns und unsere Püppis. Ja, es sind 5 Mädchen momentan.

Wie ist der Aktenstand der eventuell noch dazukommenden Familie?
Wie auch bei uns, war ein Fehler in der beglaubigten Legalisierung. Dadurch verzögert sich die Passausstellung auf eine unbestimmte Zeit.
Aber auch in Haiti ist alles möglich. Bei uns wurde der Fehler in 2 Tagen behoben. Wir werden sehen was passiert. 

Und was wir nun bis dahin machen?
Wir fahren am Donnerstag von Kleinwallstadt nach Berlin. Am Prenzlauer Berg wartet ein hübsches Apartment auf uns und auf Néhémie. 
Auf dem Weg holen wir uns bei Opa den Kinderwagen und beim anderem Opa ein gesundes Lächeln ab. 😉
Weiter geht´s zu Tantchen und Onkelchen, wo wir einen Koffertausch vornehmen und unsere übersetzten Unterlagen für Püppis Pass abholen.

BLEIBT ALLE GESUND und reist wie wir MIT MASKE!

Fragen über Fragen von Euch

Und schon wieder ICH.

Es kommt soviel zusammen gerade. 
Auf Mallorca ist noch Ausgangssperre bis mind. 08.05.2020 und die Immobilienbranche und Fitnessstudios dürfen noch immer nicht öffnen und arbeiten. 
Wir haben die erste Unterstützung vom spanischen Staat bekommen. Dafür sind wir sehr dankbar. Allerdings ist das nur ein Tropfen ….. wenn man bedenkt, dass Miete, Strom, Wasser, Versicherungen, Bürokosten, etc. trotz Ausgangssperre weiter bezahlt werden müssen. Jetzt wisst ihr auch, wieso wir keinen Kredit für den Charterflug aufnehmen können. 

Diese und viele weitere Fragen bekommen wir in den letzten Tagen von Euch gestellt. Hier mal eine kleine Auswahl davon mit Antwort von uns und den involvierten:

Es gibt doch die Rückholaktion der Bundesregierung?
Ja, aber dies ist eine Rückholaktion.
Die Kinder waren noch nicht in Deutschland. Die Rückholaktionen sind überwiegend abgeschlossen. Es werden in der nächsten Zeit keine  Aktionen oder Hilfsgüteraktionen nach Haiti stattfinden.

Aber die 50 Flüchtlingskinder werden doch auch geholt…
Ja und das ist auch gut so!
Laut der Regierung ist diese Aktion schon seit Anfang März vorgesehen und wurde jetzt umgesetzt.

Habt ihr das TV mal aufmerksam gemacht?
Auch das können wir mit ”Ja” beantworten. Leider ist hier das Medieninteresse bei ”nur” 5 Kindern nicht ganz so hoch.

Wartet doch bis die Coronakrise vorbei ist! 
Wie ihr wisst, sind wir bereits seit Anfang 2014 in dem Adoptionsverfahren. September 2019 haben wir den Kindervorschlag bekommen. Dann haben wir unsere Tochter in Haiti besucht und mussten ohne sie nach Hause. Jetzt sind wir im April 2020. Wir haben sie also 7 Monate schon nicht mehr gesehen. 7 weitere Monate ihre Lebens verpasst.
Die Coronakrise ist ja in Europa schon ein einziges Desaster. Stellt Euch das Ganze mal in einem Entwicklungsland wie Haiti vor. Ich schrieb, dass in Port-au-Prince allein 2 Millionen Menschen leben, es in ganz Haiti aber nur 30 Intensivbetten mit Beatmungsgeräten gibt. Die Menschen leben in Haiti nicht in Häusern wie wir sie kennen.
Schaut in unsere Artikel “Adoption Besuchsreise”. Dort findet ihr einige Bilder. 7 Menschen in einer Hütte von 10 qm ist hier nicht selten.
In den Heimen arbeiten viele ältere Menschen. Die Heimleitung von Püppi ist z.B. über 70 und der Securitymann auch Anfang 60. Risikogruppe sagen wir in Europa dazu. Wenn hier die sichere Betreuung einmal wegfällt, dann passieren so Dinge wie, der Stromgenerator, der für Strom und Wasserlauf verantwortlich ist, wird über hohe Mauern hinweg geklaut. Und das ausgerechnet in der Nacht, in der einmal seit Jahren die Security nicht vor Ort war. 4.000 Euro haben wir als Spenden sammeln müssen, damit die Kinder nach einer Woche wieder einer geregelten Hygiene nachkommen können.

Was passiert mit den Spenden, wenn der Flug nicht stattfindet?
Die Spenden werden 100% für den Zweck der Abholung der Kinder verwendet. Wir setzen alles daran, dass der Flug stattfindet und wir die Kosten von 128.000 Euro aufbringen können.
Wie gesagt, die Spender erhalten eine Spendenquittung, die steuerlich absetzbar ist. 

  • Eltern für Kinder e.V.
  • IBAN: DE92100205000003383607
  • BIC: BFSWDE33BER
  • Bank: Bank für Sozialwirtschaft
  • Verwendungszweck: „Sonderflug“ + Name des Spenders + IBAN

Sollte es nicht möglich sein, die Kinder mit einem privaten Flug abzuholen, dann werden die Spenden zurückgezahlt. Deshalb gebt im Verwendungszweck nicht nur “Sonderflug” an, sondern auch Euren “NAMEN UND EURE IBAN”. So kann alles flott zugeordnet und zurückgezahlt werden. 

Habt ihr die “Gewinner“ der Coronakrise mal angeschrieben? 
Auch solche Anfragen haben wir in den letzten Wochen versendet. 
Viele Firmen haben bestehende Projekte, die sie auch gerade jetzt unterstützen. Leider bekommen wir fast stündlich solche Absagen und Bitten um unser Verständnis, dass man uns nicht helfen kann.

Eine ganz interessante Absage haben wir von einer bekannten Brauerei bekommen: ”… Darüber hinaus müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir uns sowohl aufgrund öffentlich-rechtlicher Bestimmungen als auch mit Hinblick auf den Jugendschutz dazu verpflichtet fühlen, Kinder und Jugendliche nicht in Verbindung mit Alkohol zu bringen.”

Auch gibt es Vereine, die bei Charity-Aktionen 40% der Spenden einbehalten müssen, obwohl sie dies selber nicht möchten.

All das können wir natürlich nachvollziehen und haben vollstes Verständnis dafür. Wir wollen hier nur auf die Fragen unseres Umfeldes ehrlich antworten. Einmal mehr merken wir hier, was es doch für “skurrile” Regeln auch im Hinblick auf Spendenaktionen gibt.

In 7 Tagen …

… soll also der private Charter starten und unsere Kinder nach Hause holen.

Mit an Board wären 3 Piloten und weiteres Personal und Begleitpersonen, die sich um unsere Kinder kümmern werden. Einer der Piloten ist sogar Arzt und nimmt sich ebenfalls der Kids an. Der Flug geht also nach Haiti und nach Einhaltung aller Wartezeiten wieder zurück nach Hamburg. 

Der Spendenstand steigt weiter, was uns super motiviert. Momentan fehlen uns zum endgültigen Familienglück noch 47.902 Euro.
Auch bekommen wir heute Nachmittag einen neuen Stand des Spendenkontos. Hier wurde über das Wochenende wohl auch kräftig eingezahlt. Wir werden Euch heute Abend informieren.

Ebenfalls hoffen wir heute eine Info zum Aktenstand der 5ten Familie zubekommen. Die Pässe der beiden hinzukommenden Kinder sind in der Beantragung. Wie geschrieben, würde unser Geldaufwand dadurch erheblich sinken. Nicht nur für die beiden Kinder wäre es also ganz toll, wenn es zeitlich passt. 

Eine Rückmeldung zum Erdbeben haben wir auch bekommen.
Alle sind wohl auf und es gab keine nennenswerten Schäden. DANKE DANKE DANKE!

Was wir Adoptiveltern alles so erleben und durchmachen, dass könnt ihr alle wahrscheinlich schon garnicht mehr glauben. Wir glauben es ja selber nicht mehr ….