Die Reise unseres Lebens

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Es grüßen Dich die Bornis!

Eindrücke

Heute kommen mal ein paar Bilder vom Heim, ohne aufgesetzte Herzen.
Obwohl viele bunte Herzchen die kahlen Wände viel freundlicher erscheinen lassen würden …. 🙁

Ich muss dazu schreiben, dass dieses Gebäude „vorübergehend“ angemietet wurde. Im Februar 2018 hat es einen Brand im eigentlichem Heim gegeben. Dieses wird gerade neu aufgebaut.

Hier gibt es Bilder und Infos darüber (ihr müsst etwas nach unten scrollen):
https://www.efk-adoptionen.de/aktuelles/nachrichten/haiti/

Die Schnabeltassen wollten wir eigentlich austauschen lassen. Wir haben neue gekauft und diese den Nannys übergeben, mit der Bitte die alten doch zu entsorgen. Leider wurden die Neuen zu den Alten gepackt. 🙁

Damit komme ich auf die Frage zurück, wie ihr helfen und unterstützen könnt.

Natürlich sind Spielsachen und Klamotten eine Möglichkeit.
Viel mehr aber werden vitaminreiche Lebensmittel und das ein oder andere Leckerlie im Heim gebraucht.

Auch sind in Haiti Windeln super, super teuer. Wir würden also gern Windeln, Äpfel (am besten feste grüne, die nicht schnell reifen), Vollkorntoast, Kornflakes und Quetschis zu unserer Abholreise mitnehmen.

Für weitere Lebensmitteltipps sind wir natürlich offen, die oben genannten sind vom Heim vorgeschlagen worden. Wir sagen Euch gleich nach dem Anruf „Familie Bornewasser, Sie können ihr Kind abholen.“ bescheid und hoffen auf zahlreiche Spenden. 

Hier ist ein Video des abgebrannten Hauses: 

Wieder einmal ohne genaues Datum

Ja, es ist hart sein Kind zurücklassen zu müssen und alles was wir erlebt haben zu verarbeiten. Es waren viele, zu viele, Eindrücke, die wir mitgenommen haben.

Wir kennen unser Herz erst seit 2,5 Wochen und wer sagt, da kann man keine Bindung zueinander aufbauen, der liegt total falsch. Wir waren schon Eltern, also wir den lang ersehnten Anruf bekamen. Ja, von einer Minute auf die andere! 
Als das für uns bestimmte kleine Wesen dann in unserer Mitte saß, gab es keinen Zweifel, dass sie UNSER KIND ist. Die Natur hätte es mit uns nicht besser machen können. 

Der Flieger von Haiti nach Guadeloupe hebt ab und mein Philip fängt bitterlich an zu weinen. „Jetzt fliege ich nach Hause und muss mein Kind in diesem Land zurücklassen.“ Ich selber bin völlig überfordert und mir bleibt nur das Teilen dieses Momentes übrig. Wir drücken uns ganz fest …

Mir geht es jetzt zu Hause, ohne Püppi, überhaupt nicht gut. Ich komme nicht wirklich in die Gänge und Nachts, wenn ich wieder und wieder wach werde, stelle ich mir die Frage wo ich eigentlich gerade bin … im Heim, im Hotel, im Flugzeug …. mein Kuschelknut liegt dann in meinem Arm, so wie ich unsere Püppi immer getragen, oder wir zusammen gekuschelt haben.
Es brach mir als neue Mama das Herz, mein Kind auf dem Arm der Nanny, mit ausgestreckten Armen, nach mir rufen zu sehen.  

Dass es so krass wird, damit haben wir nicht gerechnet. Sie fehlt uns 3 Tage nach dem Abschied schon unendlich doll. 

Wieder einmal ohne genaues Datum, müssen wir auf einen Anruf warten. Ohne regelmäßige Infos wie es Néhémie geht, ohne zu wissen, ob sie uns wieder die Arme ausstreckt, wenn wir dann endlich zur Abholung vor ihr stehen.

Wir hoffen auf schnelle Dokumentenerstellung, damit wir flott wieder rüber fliegen und unser Mädchen endlich mit nach Hause nehmen können.


** DANKE ** DANKE ** DANKE ** 

Wir möchten uns bei unseren Freunden, bei Tantchen und Onkelchen, bei den Dresdnern, bei Sandra und ganz dolle bei meinem Poundbuddy, bei unseren Eltern und Inseleltern für das minütliche Mitreisen bedanken, besonders bei Nicole, Inselmuddi und Inselvaddi für das erste offene Ohr nach Ankunft in Europa und …

… möchten wir uns noch einmal bei unseren Mitreisenden „Familie H. aus A.“ 😉  bedanken. Wir haben Freunde für´s Leben bekommen und „Die Reise unseres Lebens“ mit ihnen teilen dürfen. Wir sind dankbar, dass wir von einander partizipieren durften, gemeinsam schwierige Momente gemeistert und uns gegenseitig Halt gegeben haben und WEITERHIN GEBEN WERDEN. Wir hoffen, dass wir auch gemeinsam die Abholreise unserer Mädchen meistern können!

Katja, Michael, Amos und Paméla: IHR SEID EINE GANZ TOLLE FAMILIE UND GANZ TIEF IN UNSEREM HERZEN!

Wir wussten, dass dieser Tag kommen musste…

Wir begannen ihn so normal wie möglich. Der Wecker klingelte gegen 5:45 Uhr. Nach dem verlorenen Tag gestern wollte ich schnell duschen und gegen viertel nach sechs bei meiner Kleinen sein, um zu sehen, ob sie schon wach ist. Langschläferin, sehr sympathisch! Also wieder zurück und nochmal kurz hinlegen. Um kurz nach sieben saß sie dann wieder da mit ihrem Fläschchen Milch und startete den Tag. Eine der Nannys zog sie noch an. Gemeinsam gingen wir vor die Tür, wo Mama wartete. Schnurstracks ging es auf sie zu. Der Papa hinterher. Aber Püppi hat nur noch Augen für die Mama. Wie gemein. Kann ich mich einen Tag nicht um sie kümmern, schon bin ich abgeschrieben. Und trotzdem bin ich so glücklich über das Verhältnis der beiden. Ich dackel also brav hinterher.

Kurz nach dem zweiten Frühstück wird Püppi müde und schläft tatsächlich in gewohnter Manier auf meiner Brust ein. Da ist er wieder, dieser schöne Papa-Moment 🙂 

Den Nachmittag haben wir mit einer kleinen, spontanen Wasserschlacht mit den Mädels und mit Seifenblasen-Machen verbracht. Bei letzterer Disziplin konnte ich dann als Held meiner Tochter wieder glänzen. Beim letzten Wickeln war sie ganz ruhig und lieb. Als wenn sie es uns nochmal richtig schwer machen wollte. Mit jeder weiteren Stunde wurde Tag „komischer“. Dennoch genossen wir die Zeit zusammen und haben möglichst viel gekuschelt und gelacht. Ganz normal sollte er sein, der letzte Tag. Wie aus dem nichts stand Gladys vor uns und sagte uns, dass ihr Fahrer und eine Nanny Néhémie nun wieder zurückfahren würden. Stille.

Nadine nahm Püppi auf den Arm und drückte sie ganz fest an sich. Ich glaube, wir haben ihr beide das gleiche ins Ohr geflüstert. Dass wir sie lieben und sie immer bei uns ist. Und dass wir sie hoffentlich bald holen kommen werden. „Je t’aime!“ fügte Nadine noch hinzu. Nachdem sie auf meinem Arm anfing zu weinen, nahm sie mir Gladys ab und gab sie der Nanny. Im Nachhinein kann ich das Gefühlte nur schwer beschreiben. Unendliche Traurigkeit trifft es wohl am ehesten. Ich nahm Nadine fest in den Arm und versuchte, Trost zu spenden, was mir unmöglich erschien.

Nüchtern betrachtet, wussten wir, dass dieser Moment kommen musste. Und er gehört dazu oder ist sogar gut, denn ohne diesen Abschied würde der nächste Schritt im haitianischen Adoptionsprozess nicht möglich sein – die Abholreise. Dennoch schmerzt es unendlich, sein Kind die nächste (nicht definierbare) Zeit nicht sehen zu können. Nicht zu wissen, wie es ihr geht. Nicht zu wissen, was sie gerade macht. Immer darauf angewiesen zu sein, dass eine andere Familie im Heim ist und vielleicht einmal ein Bild für uns macht.

Mädchen Tag oder …

… Magen-Darm der Zweite.

In der Nacht hat sich schon angekündigt, dass wir Mädels den Tag wohl allein verbringen würden. „Ein Aufenthalt in Haiti ohne Magen-Darm Probleme ist kein Aufenthalt.“, sagte uns der Rezeptionist aus dem BelFle Hotel. Mit vergangener Nacht ist wohl Philip auch total hier angekommen.

Ich habe unsere starke Mausi also um kurz nach 6, in ihrem Bett sitzend mit einer Flasche Milch begrüßen dürfen. Mit großen knitterigen Augen hat sie mich angesehen und die Flasche abgezogen, während Mama neben ihr stand und mega stolz auf dieses kleine Wesen ist. Schließlich ist sie das erste Mal außerhalb ihrer gewohnten Mauern aufgewacht und nur fremde Menschen wuseln um sie herum.

Nach einer Dusche und neuen Sachen von Papa und Tante Meli begannen wir Mädels also den Tag. Gemeinsam frühstücken mit Katja, Micha, Amos und Pamela – ihre neue „Urlaubsfreundin“, gefolgt von einem ausgiebigen Spaziergang, Tanzen und Spielen im Hof mit den anderen Kindern, schreiendem Frisch-Machen. Das alles mit jeder Menge neuen Eindrücken, Mittagessen und Mittagsschlaf mit Papa und 2 vergeblichen Versuchen, mit „Ele“ vom noch unbekannten Inselfreund, in die Nacht zu starten… trotz frischer Windel. Zu dritt haben wir das stinkende Etwas während dem Schlummern, ohne Weinen, entfernen können. Letztendlich mussten wir sie der Nanny um 23 Uhr „überlassen“, da wir alle 3 total durch waren und einfach keine Kraft mehr hatten.

Wir wollten doch den vorerst letzten gemeinsamen Tag in Haiti gestärkt starten und genießen!

Das langersehnte Interview

Einleitend hatte ich erst einmal das Bedürfnis, mich für mein Aussehen zu entschuldigen. Wer mich kennt, weiß, dass ich in einem solchen Termin nichts dem Zufall überlassen wollen würde. Aber die Umstände des vorangegangenen Tages zwangen mich dann doch dazu, dem Beamten des Jugendamtes in einer wirklich schmutzigen kurzen Hose und einem geliehenen, beige-braunen T-Shirt mit einem „Total Tankstellen“-Logo auf der Brust, entgegenzutreten. So begann das wohl wichtigste „Assessment“ meines Lebens.

Unsere Tochter, top-gestylt, saß ganz friedlich bei Mama auf dem Schoß und schlief nach Frage 4 entspannt ein. Nadine war sichtlich nervös zu Beginn des Gesprächs, jedoch war die Stimmung allgemein sehr freundlich. Der Übersetzer trug mit seiner lockeren, unbedarften Art auf seine Weise dazu bei.

Das Gespräch wurde in 3 Abschnitte unterteilt. Die Wartephase, das erste Aufeinandertreffen und die anschließende Zeit zusammen. Die Fragen nach dem Empfindungen und Gefühlen wirkten auf mich irgendwie plakativ und nicht wirklich interessiert. Irgendwie arbeiteten wir gemeinsam das Protokoll ab. Das Gespräch dauerte insgesamt fast 2 Stunden, verging jedoch wie im Flug. Zum Abschluss fragte uns der Beamte, ob wir noch etwas hinzufügen möchten. Unsere Möglichkeit, Fragen zu stellen und unseren Unmut über das Verfahren und die anstehende, viel zu lange Zeit bis zur Abholung kundzutun… WEIT GEFEHLT.

  • „Alles nicht meine Schuld…“
  • „Wir arbeiten an einer Verbesserung…“
  • „Vielleicht geht es bei Ihnen auch schneller…“

In diesem Punkt gingen wir a) genauso schlau und b) nicht weniger deprimiert aus dem Gespräch. Dennoch: geschafft!

Und jetzt heißt es: den Rest des Tages und die nächsten zwei Tage mit Püppi ausgiebig und intensiv nutzen!

DAS HABEN WIR … Püppi ist ganz gemütlich auf Mamas Schoß eingeschlummert. 

Das hätte Mama auch gern gemacht, wenn uns Gladys nicht noch einen tiefen Einblick in Ihr Leben mit dem Kinderheim gegeben hätte.

„Eigentlich haben wir kein Benzin…“

Im 10 Minuten Schlaf-/Wachrythmus haben wir die Nacht in unserer neuen Bleibe verbracht. 6.30 Uhr sitzen wir schon wieder alle 4 auf dem kleinen Terassenstück und gehen online.

Unser Fahrer von Haiti Awake ist auch schon voller Tatendrang und hat uns Bilder mit der aktuellen Straßenlage gesendet. „Wie ihr seht, ist es auch heute wieder nicht möglich ins Hotel, geschweige denn ins Heim zu kommen.“

Wir konnten zwar mit einem Stück Seife duschen, aber frische Wäsche hätten wir beide nötig. Bei 38 Grad im Schatten ne kleine Püppi und 40 weitere Kinder zu animieren ist schon ganz schön schwitzelig. Ein nasses Shirt tragen ist hier also was ganz normales.

Wenn wir also nicht raus können, was wird denn dann mit dem Interview des Jugendamtes (IBESR)?

Die Heimleiterin hier ist um die 70 Jahre und hat gefühlt mindestens genauso viele Jahre Erfahrung in Sachen Adoption und den darin verwickelten Behörden. Sie schnappte sich also ihr in einer goldenen Glitzerhülle verpacktes Handy und telefonierte… während wir am Frühstückstisch saßen und mir bewusst wurde, dass ich Püppi wohl, wenn überhaupt, nach heute eine lange Zeit nicht sehen und schnuppern kann.

Über unsere Repräsentantin ließ man uns ausrichten, dass wir mit den Kindern in das Büro des Jugendamtes kommen sollen, da es draußen für den Beamten zu gefährlich sei. Ist das zu fassen – zwei Familien mit drei Kindern sollen sich der Gefahr stellen, damit ein Beamter nicht aus seinem Büro raus müsste?

Wir protestierten also von allen Seiten, und nach einem ewigen Hin und Her willigte man schließlich ein, dass unsere Interviews in unserer neuen Unterkunft stattfinden sollten. Voraussetzung sei allerdings, dass man den Mitarbeiter des Jugendamtes abholen könne, denn es gäbe kein Fahrzeug mehr, welches noch Benzin habe.

So brachte man Néhémie hier her und ein Fahrer von Gladys holte unsere Sachen aus dem Hotel, so dass wir weder dorthin, noch in Néhémie‘s Kinderheim zurückkehren müssten. Zu gefährlich sei es, als Weißer draußen unterwegs zu sein.

Gladys nahm mich kurz vor 10 Uhr mit in Ihr Büro, wo auf dem Schoß einer Nanny unseres Heimes mein entzückend aussehender Süßfratz saß. Weiß, hellblaues „Hochzeitskleid“ und bräunliche Leder-Riemen-Schühchen.
Der Vertreter vom IBESR wurde also pünktlich um 10 Uhr im Heim absetzt, wo wir schon in unserer WLAN -Ecke gespannt dem Gespräch entgegenfieberten.

Grenzerfahrung

Mir machten uns wie gewohnt auf den Rückweg Richtung Hotel. Unser Fahrer Steeve teilte uns mit, dass wir eine andere Route nehmen müssten, weil es auf halber Strecke eine Straßenblockade auf der Nationalstraße gebe. Kein Problem, dachten wir. Hatten wir schließlich schon einmal diese Woche. Wir hielten uns zunächst östlich, bogen dann zweimal rechts ab, fuhren westlich wieder Richtung Innenstadt, um dann von unten das letzte Stück auf der Nationalstraße zum Hotel zu gelangen.

Alles verlief ruhig.

Circa 2 Kilometer vor unserem Ziel stoppte Steeve plötzlich. Vor uns waren zwei weitere Fahrzeuge, die ebenfalls anhielten. Die Straße war von einem hellen, kleineren Fahrzeug versperrt. Das ganze sah jedoch nicht nach einer dem Streik zugeordneten Blockade aus. Ich fragte Steeve, was er denke, aber er war so fokussiert, dass er meine Frage nicht hörte. Plötzlich drehte das Vorderste der beiden Fahrzeuge hektisch um und fuhr schnell davon. Von der rechten Straßenseite kam ein Mann, optisch wie aus einem amerikanischen Drogenkrimi, auf das vor uns stehende Fahrzeug zu und zog eine Waffe aus dem Hosenbund. So eine große, vollautomatische, wie man sie eben aus dem Film kennt. Es handelte sich um einen Raubüberfall auf offener Straße am helllichten Tag. Die Straße war voller Leute, Mopeds passierten den Überfall. Er schoss zweimal in die Luft und zielte anschließend auf den Fahrer. Nadine war wie versteinert und schaute mit weit aufgerissenen Augen zu, was vor sich ging. Steeve legte den Rückwärtsgang ein und begann zu wenden. Unser Fahrzeug stand nun quer auf der Straße. Ein weiterer Bewaffneter schoss auf die Räder des 2 Meter vor uns stehenden Autos. Die Insassen wurden mit vorgehaltener Waffe zum Aussteigen gezwungen und mit dem Gesicht zum Boden auf die Straße gezwungen. Einer der beiden bewaffneten Typen drehte sich plötzlich zu uns um und kam auf unser Auto zu. Steeve war scheinbar ein bisschen hektisch, weil er die Handbremse angezogen hatte. „Go, go!“ sagte ich zu ihm. Er löste sie ruckartig und fuhr mit Vollgas davon. Nadine und ich versteckten uns im Fußraum, bis wir aus der Schussweite waren (als wenn wir wüssten, wie groß die sein würde). Die Folgen (gerade als Weißer) eines solchen Überfalls sind schlichtweg nicht einzuschätzen. Von „einfachem“ Raub bis zu Mord oder Kidnapping kann laut unserem Fahrer einfach alles passieren.

Alles ging wahnsinnig schnell und doch zogen sich die Ereignisse wie im Zeitraffer. Steeve wollte uns erst einmal in Sicherheit bringen und fuhr uns zu ihm nach Hause. Sein Freund Vorb, ein weiteres Gründungsmitglied von Haiti Awake kam dazu. Wir riefen unsere Repräsentantin der Adoptionsvermittlung an und berichteten ihr von den Vorkommnissen. Die Jungs konnten uns nicht ins Hotel fahren und ehrlich gesagt, wollten wir nur noch so schnell wie möglich von der Straße an einen sicheren Ort. Man bat uns an, bei Steeve Zuhause zu übernachten und zu warten, was der nächste Morgen bringen würde. Da wir in der Nähe des anderen Kinderheims von Eltern für Kinder waren, in dem unsere Wegbegleiter „Famile H. aus A.“ Katja, Michael, Amos und der kleinen Pamela (ihr neues Adoptivkind) wohnten, gewährte uns die Heimleitung des „Maison des anges“ (Haus der Engel) Unterschlupf. Gladys ist ein wahrer Engel in dieser schroffen, gefährlichen, haitianischen Welt.

Wir bezogen ein kleines Gästezimmer und wurden mit dem nötigsten ausgestattet. All unsere Sachen befanden sich schließlich in unserem Hotel. Nun eröffnete sich das nächste Problem. Da sich die Situation auf der Straße sichtlich zuspitzte, konnten und wollten wir uns nicht mehr raus begeben. Aber am Folgetag sollte das so wichtige Interview mit dem Beamten des haitianischen Jugendamtes stattfinden. Ohne dieses könnte der weitere Adoptionsverlauf deutlich erschwert werden. Zum anderen waren wir unglaublich traurig, unsere Tochter wohl nicht mehr sehen zu können, bis wir sie abholen können.

Von nun an sollte unsere Reise eine ganz andere, nicht vorhergesehene Richtung nehmen.

Putztag

Wie schon geschrieben sind die Kids im Heim in 3 Gruppen eingeteilt. Babys zwischen 6 und 24 Monaten, die Minis bis ca. 4 Jahre und alle großen, bis sie volljährig sind oder ein tolles neues Zuhause bekommen haben.

Im Maison d’espoire (MDE) sind rund 40 Kinder. Davon haben 10 schon Mama und Papa, die auf den Termin zur Abholung warten.
Davon wiederum sind 2x 3 Geschwister, 1x 2 Geschwister, 1 Einzelkind und ein Mädchen, dessen große Schwester später von ihrer Bauchmama abgegeben und die Kleine somit als „Einzelkind“ vermittelt wurde. Für die  große Schwester (7 Jahre) hoffen wir auf eine superschnelle Vermittlung, in der Nähe von ihrer kleinen. Wir werden alles, was in unserer Macht steht, dafür tun!

Unser Highlight, abgesehen von jeder Sekunde mit unserer „Nehou“, war heute der Großeinsatz in Sachen Putzen, Aufräumen und Hintrappieren.
Morgen ist unser Gesprächstermin mit dem haitianischen Jugendamt. Dafür wurde eine weitere Sitzecke aufgestellt und die Couch, auf der wir die letzten Tage Mittagsschlaf gehalten haben, mal eben flott an die andere Wand gerutscht.
Draußen werden die Stofftiere gewaschen und zum trocknen aufgespießt und wenigstens die Buchhalterin hat trotz Straßenbarrekaden auch wieder ihren Weg ins Büro gefunden.
Das war die letzten Tage nicht selbstverständlich. Wir hatten sogar das Gefühl, dass alle die ohne eigenen PKW und mit weitestem Anfahrtsweg ihre Arbeit wahrgenommen und die mit grooooossem Auto oder sogar eigenem Fahrer, es nicht geschafft haben.