Der erste Integrationsbericht

Der erste Integrationsbericht muss also seinen Weg nach Haiti antreten.
Gar nicht so einfach in Zeiten von Covid19 … 

Da wir nur unter Umständen reisen können, haben wir uns über Videochat mit unseren Beratungseltern verabredet und an einem Sonntag Mittag zueinander gefunden. 
Das ganze Gespräch wird also schriftlich festgehalten, von uns mit Fotos „untermalt“, nach Berlin zum Verein gesendet, ins französische übersetzt und dann per Postweg an das IBESR nach Haiti gesendet.

Auch hier entstehen für uns weitere Kosten. Eigentlich nicht der Rede wert, denn solch einen Bericht über sein Kind zu haben ( es werden mehrere erstellt ) ist schon toll, aber wirtschaftlich steht es bei uns nicht ganz so gut aufgrund von Corona und den damit verbundenen Regeln hier in Spanien. Da wir noch immer auf die Rückzahlung, des zu viel gezahlten Betrages des Charterfluges warten, sind weitere Rechnungen in Verbindung mit der Adoption für mich ein Dorn im Auge.
Nein, die rund 2.000 Euro hat noch kein Elternpaar erstattet bekommen. Der Verein Help a Child e.V., der die Abholung mit uns organisiert hat, ist noch immer der Meinung, dieser Betrag sollte von solventen Adoptionseltern nach Haiti gespendet werden können. Ein Mediator vermittelt gerade …

Zurück zum Entwicklungsbericht. 

„Als die Verbindung zu den Eltern steht, fragt Néhémie bevor die Kamera angeschaltet wird, „Oma“? Sie ist eine versierte Skyperin erzählen die Eltern. Als wir darüber sprechen, mit wem normalerweise geskypt wird, meint sie „Oma auch, Opa auch“. So steht es am Anfang des Berichtes, den unsere Beratungseltern verfasst haben.

Mit diesem Einstieg war unsere Aufregung vergessen und wir haben über eine Stunde mit M. über unseren Alltag und die Entwicklung von Néhémie gesprochen.

Der Bericht endet mit den beiden Sätzen: 
„Philip bringt zum Ausdruck, dass es ein großes Glück ist, Néhémie nun endlich bei sich zu haben. Gerade in diesen Zeiten habe man so wieder einen ganz anderen Blick auf die eigentlichen Prioritäten im Leben.“

Auch hier möchten wir unseren Beratungseltern M. und P. noch einmal danken und schreiben, dass das Gespräch wirklich, wirklich super nett gewesen ist. Wir  sind sehr froh, dass wir alles offen ansprechen konnten und ihr uns mit tollen Tipps – JA, auch in Zukunft !!! – unterstützt.

Dem Bericht haben wir einen langen, bebilderten Brief an Néhémies Bauchmama beilgelegt.  Im Vorfeld hat die Heimleitung in Erfahrung gebracht, ob Mama diesen gern empfangen würde. Ja, würde sie und gern würde sie uns auch einen Brief zukommen lassen. 

Genau dies fehlte mir persönlich. Der Kontakt zu J. und damit dem anderen Teil unserer Familie. Die Heimleitung sagte uns, dass Mama J. ( ich bin für Néhémie „Momy“ und ihre Bauchmama ist „Mama“ ) die Schwester von Nehou regelmäßig besucht und unsere Zeilen dann in Empfang nehmen wird.

Auch haben wir erfahren, dass Püppis Schwester nun endgültig zur Adoption freigegeben ist und man sogar schon ein geeignetes Pärchen gefunden hat. Wir sind glücklich darüber und können es nicht erwarten sie in ihrem neuen Zuhause besuchen zu können. Leider dauert auch diese Heimreise noch mindestens 1 Jahr … 🙁

1 Jahr ist es schon her

… als Du in unser Leben getreten 👣 bist. Seit Mai bist du nun bei uns. Seitdem veränderst du es jeden Tag auf wundervolle Art und Weise. Einfach, weil du DU bist ❤️ Wir liebe dich von ganzem Herzen, Néhémie Emilia 😘

Heute sprichst Du schon mit uns in deiner niedlichen Püppisprache, Du rennst, alberst und lachst ganz, ganz oft mit uns. Du teilst mit uns unsere Leidenschaften, das Schlafen und gutes Essen. Jeder der Dich sieht und vor allem die, die Dich kennen lernen sind hin und weg von Deinem Wesen. Du bereicherst nicht nur unser Leben! Du lernst und entwickelst Dich wahnsinnig schnell und bist gesund.

Klar haben wir auch den ein oder anderen „Kampf“. Da es aber nur das „zu später Stund´ im Bett liegen bleiben“ ist, haben die IBESR-Mitarbeiter in Haiti ein weltklasse Matching mit uns drei vollbracht. 

Vor einem Jahr habe ich auf unserer Treppe gesessen und bitterlich geweint. „Was hab´ich nur verbrochen, dass es nach dieser langen Wartezeit jetzt auch noch kein Junge ist.“, waren Momys Worte. „Sei doch froh, da kannst Du viel mehr nähen und so.“, hat Tante Meli damals zu mir gesagt. 
Auch wenn ich heute noch immer gern einen „Schnippie da unten hätte“ 😉 , so würde ich Dich um nichts in diesem Universum eintauschen wollen. Nicht einen Millimeter von Dir! Und ja, Tante Meli, ich nähe ganz viel für sie und sogar auch schon mit ihr! 😘

Den ersten Check beim Kinderarzt und die ersten beiden Impfungen, wir haben ja einige nachzuholen, hat sie gemeistert wie ´ne große. Eine Woche danach sagt sie „Momy, da Aua“, macht kraftvolle Arme, zeigt auf sich und sagt „Du stark!“. Ja, das ist sie.

An unserer Küchenwand hängt ein Bild mit der Silhouette von Haiti. Immer wieder zeigt sie darauf und sagt „Haiti“. Wir fragen sie dann wer aus Haiti kommt und wieder zeigt sie auf sich und sagt „Du“.  😆 
Seit einigen Wochen steht auch ein Bild von ihrer Mama und ihrer Schwester auf dem Küchentisch. Es wurde im April 2019 gemacht. Mama hat Néhémie auf dem Schoss und schaut sehr, sehr traurig aus. Zu gern möchte ich all diese tollen Momente, die wir mit diesem kleinen, starken Süßfratz haben mit ihr teilen.
Denn nicht nur weil Néhémie Emilia eine Mama und eine Momy hat, ist sie etwas ganz, ganz besonderes. ❤️

 

„Solvente Eltern können ruhig etwas mehr zahlen!“

Wir haben diesen Blog einmal ins Leben gerufen, um unserer Tochter irgendwann einmal zu zeigen, auf welchem Weg sie zu uns kam. Und, um Eltern in einer ähnlichen Situation, die vielleicht mit dem Gedanken spielen, ein Kind aus Haiti zu adoptieren, aufzuzeigen, dass dies ein durchaus sehr schwieriger, langwieriger und vor allem kein einfacher Weg werden wird.

Sicherlich wurde unser Weg, maßgeblich durch die Coronakrise und die damit verbundenen Lockdowns in Europa, den USA und Haiti getriebenen Ereignisse, zu einem äußerst schweren. Aber auch dieser endete mit den erfreulichen Ereignis, dass wir unseren großen Schatz nach Hause holen konnten.

Die Art und Weise, wie (staatlich anerkannte) Adoptionsvermittlungsstellen jedoch mit Eltern, deren Geldern und dem Kinderwunsch umgehen, lässt mich diesen Beitrag schreiben. Dieser ist als eingehender Rat, um nicht zu sagen „Warnung“, gedacht, dass Adoptiveltern sich genau über die Adoptionsvermittlungsstellen, deren Organe und Organisierung informieren sollten, um unsere negativen Erfahrung möglichst zu vermeiden. Hierbei möchte ich ausdrücklich betonen, dass wir mit unserem Verein Eltern für Kinder e.V. und den Umgang des Vorstandes sowie der Sozialarbeiterinnen, Angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeitern sehr zufrieden und ihnen allen dankbar sind.

Dies trifft jedoch nicht auf den zweiten Verein zu, von dem wir schon viel erzählt haben. Diesem Verein sind wir dankbar für die Organisation und Koordination der entsprechenden Stellen in den Behörden in Deutschland und Haiti, so dass es von Amtswegen möglich war, unsere Kinder zurück zu bringen. Es fällt mir jedoch schwer, in einen tiefen Kniefall zu verfallen, denn letztlich ist es die Aufgabe einer Adoptionsvermittlungsstelle diese Arbeit zu leisten, auch wenn die Situation einmal schwierig wird.
Wir haben uns immer wieder angeboten, zu unterstützen und Aufgaben zu übernehmen, was seitens dieses Vereins jedoch konsequent abgelehnt wurde. Uns im Nachhinein eine (fiktive) Rechnung zu übermitteln, die im Vorhinein nie Gegenstand der zahlreichen Telefonkonferenzen war, ist auf der einen Seite sicherlich gerechtfertigt durch den Mehraufwand, der entstanden ist, die Art und Weise ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs, was sich seitens des Vorstandes geleistet wurde.

Was war passiert?
Nachdem feststand, dass 10 Kinder den Heimflug nach Deutschland antreten würden und nachdem unsere Spendenaktion, die hauptsächlich durch private Kontakte so erfolgreich wurde, stand auch der zu zahlende Eigenanteil pro Kind fest. Pro Kind ist deshalb erwähnenswert, da es zwei Familien gab, die jeweils zwei Kinder, also auch den doppelten Eigenanteil zu leisten hätten. Wir reden hierbei von einem fünfstelligen Betrag in Zeiten, in denen manche Eltern keinerlei Einkommen erzielen (so wie wir) oder sich teilweise oder beiderseits in Kurzarbeit befinden.

Am Montag der Woche, an dem freitags der Flieger in Richtung Haiti aufbrechen würde, sollte der Adoptionsverein, der Kindern seine Hilfe verspricht, die gesamten Gebühren in Höhe 120.000EUR an die Chartergesellschaft überweisen. Da die endgültige Zahl der Kinder zu diesem Zeitpunkt noch nicht final feststand, sagte uns der Vorstand, wir sollten jeweils 6.500EUR pro Kind (!) an den Verein überweisen, so dass die Kosten gedeckt seien. Durch die von den Finanzbehörden vorgegebene Abrechnungsweise würde faktisch am Ende ein Guthaben (immer noch eines vierstelligen Betrages) entstehen, der an die Eltern zurücküberwiesen werden müsste, damit es ermöglicht wird, dass unsere Spender eine finanzamtsrelevante Spendenquittung erhalten können, was wir den Spendern versprochen hatten.

Am Abend vor dem 9.5.2020 um 18:00 Uhr, also dem Tag, an dem unsere Kinder bei uns eintreffen sollten, teilte man uns seitens des Vorstandes folgendes mit:
1.) Morgen früh wird ein Fernsehteam anwesend sein, dass die Ankunft der Kinder für den Sender RTL dokumentiert. „Sollten Sie nicht wünschen, dass Sie oder Ihr Kind zu sehen ist, sagen Sie dem Team bitte bescheid.“

Hallo??? Genau diese Vermarktung der Geschichte unserer Kinder wollten wir nicht. Und schon garnicht, wo uns dieser Sender bei der Beschaffung von Spenden durch einen Beitrag z.B. in „Stern TV“ abgelehnt hatte mit der Begründung, dass 10 Kinder nicht interessant genug seien. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: eine Familie hatte sich hinter dem Rücken der ganzen Gruppe dazu bereiterklärt, sich begleiten zu lassen. Im übrigen die Familie, die sich am lautesten über seinen Adoptionsverein und den Vorstand immer wieder bei uns beschwert hatte. 
>> siehe „Rückblick von Philip“

2.) Es wird keine Rückzahlung des zu viel gezahlten Betrages in Höhe von rund 2.100EUR pro Kind (!) erfolgen. Die Begründung: solvente Adoptionsfamilien werden sich das wohl leisten können. Was mit unserem Geld (bis heute am 31.07.2020) passierte, wissen wir nicht. Einmal hieß es, dass es gespendet werden sollte (ohne uns eine Spendenquittung anzubieten oder auszustellen), dann hieß es, dass ein zweiter Abholflug, der stattfand, damit mitfinanziert wurde. Wir wissen es schlichtweg nicht. Auch zahlreiche schriftliche Nachfragen, in Verzug setzen und Aufforderungen, den zu viel gezahlten Betrag an uns zurück zu überweisen, ignorierte man bis heute. Rechtsstreit nicht ausgeschlossen. Das zuständige Finanzamt wurde informiert.

Es ist mir ein Anliegen, der Machtbesessenheit und Willkür staatlich anerkannter Stellen die Stirn zu bieten, die mit der Angst der Eltern „spielen“ bzw. ihre Vormachtstellung ausnutzen, ihre Kinder nicht abholen zu können und Spendengelder nicht zweckmäßig verwenden. Bitte, liebe Eltern, lasst euch nicht durch den großen Kinderwunsch von schönen Slogans blenden. Es stinkt schon zum Himmel und ist in meinen Augen äußerst unseriös, wenn bereits für eine Informationsveranstaltung Geld verlangt wird. Achtet auf Vereine, die demokratisch gewählte Organe haben. Vereine, die bis in den Vorstand hauptsächlich von ehrenamtlich tätigen Personen geführt werden, sind die weitaus vertrauenswürdigeren Adoptionsvermittlungsstellen.

Was uns mit diesem, nicht unseren Verein Eltern für Kinder e.V., Adoptionsverein widerfahren ist, bringt mich wirklich auf die Palme. Nicht nur, weil ich selbst wirtschaftlich geschädigt werde, sondern weil der begründete Verdacht besteht, dass dort systematisch so gearbeitet wird, Eltern vorsätzlich Angst gemacht wird und sich dort Personen im Vorstand befinden, die meines Erachtens eine solche verantwortungsvolle Aufgabe nicht ausüben sollten. Nur, weil man gute Kontakte, viel Erfahrung und über ein großes Organisationstalent verfügt, gibt es einem nicht das Recht, über anderer Menschen Geld und Kinder zu entscheiden.

Unser Eigentanteil

Es ist Mitte Juni ..

6.500 Euro haben wir Eltern pro Kind vor Abzug aller Spenden gezahlt, da das Flugzeug 3 Tage vor Abflug bezahlt werden muss.

Nach Abzug aller Spenden die bis zum 09.05.2020 eingegangen sind ist dieser Eigenanteil auf 4.349,15 Euro gesunken. Das entspricht in unserem Fall etwa dem Betrag, den wir ohnehin gezahlt hätten, wenn wir für 3 Tage nach Haiti geflogen wären und unsere Néhémie abgeholt hätten.

Am Abend (ca. 20 Uhr) vor Ankunft der Kinder hatten wir eine Telefonkonferenz, bei der der organisierende Verein auch teilgenommen hat. Bei dieser hat man uns gebeten doch bitte mal darüber nachzudenken, was mit dem überschüssigem Betrag passieren soll. Man würde es begrüßen, wenn dieser an die Heime gespendet wird. Einige Familien wurden dazu schon angerufen und hätten dem zugestimmt.

Es wurde uns auch mitgeteilt, dass die 3 holländischen Familien, die am Mittwoch vor Abflug in Haiti die Info bekamen, dass Ihre Kinder mitfliegen können ebenfalls 6.500 Euro Eigenanteil bezahlen. Dies hat der organisierende Verein „Help a Child“ so beschlossen. Wir 4 Elternpaare, die die Spendenaktion organisiert haben wurden bei dieser wirtschaftlichen Entscheidung nicht mit eingebunden. 
Ich schreibe hier noch einmal, dass der Kontakt zu den holländischen und italienischen Familien durch unseren Spendenaufruf über facebook entstanden ist und wir bis dahin auch mit den Familien kommuniziert haben. Aufgrund der Kürze der Zeit hatten wir mit den holländischen Familien am Dienstag (05 05 2020) vor Ankunft vereinbart, dass diese auch eine Spendenaktion starten wollen, sobald sie das GO von Haiti bekämen, dass die Kinder mitfliegen können und unsere Aktion ganz klar somit unterstützen wollen, da sie ja ohne die („unsere“) zahlreichen Spender aus Deutschland, Frankreich und Belgien nicht die Möglichkeit der Ausreise für Ihre Kinder hätten. 

Wieso ich dies so genau schreibe?
Heute, 03.08.2020 lese ich Philip seinen Beitrag. Dieser wurde genau wie meine Zeilen hier „Unser Eigenanteil“ noch nicht veröffentlicht. Wir haben unabhängig von einander geschrieben. Ich werde also beide Beiträge jetzt veröffentlichen, denn genau so war es, ist es und genau deshalb schreiben wir diesen Blog.

Spendenaktion „gefüllte Taschen“

Im Oktober 2019 haben wir Euch zu einer Spendenaktion eingeladen.

52 Taschen haben wir produziert und befüllt. – je 25 für Mädchen und 27 für Jungen –

Eine Tasche für einen Jungen enthält:
– Bodylotion 
– Kinderzahnbürste 
– Kinderzahncreme 
– einen Bleistift
– Styroporflugzeug zum Basteln 
– Bonbons und Kaubonbons 
– ein Notizbuch 
– Handtuch 30cm 
– Armband „Uhr“ mit Kugelspiel 
– Lolli / Lutscher 
– Spielautos / Matchbox 
– Sonnebrille 

Eine Tasche für ein Mädchen enthält:
– Bodylotion
– Kinderzahnbürste
– Kinderzahncreme
– einen Bleistift
– 3 Haargummis 
– Bonbons und Kaubonbons 
– ein Notizbuch 1
– Handtuch 30cm 
– Armband „Uhr“ mit Kugelspiel 
– Lolli / Lutscher
– Sonnebrille 
– rosa Spielente

Da wir ja leider nicht nach Haiti reisen konnten, haben wir jetzt die Taschen nach Frankreich geschickt. Dort gibt es die Organisation „D’Erwan à Ella“.
Celine, selbst Mama von einem Mädchen und einem Jungen aus dem Maison d´espoir in Haiti, schickt regelmäßig große Container nach Port-au-Prince . Der nächste soll Weihnachten im Heim ankommen. Diesmal sind auch unsere Taschen dabei. Alle Taschen haben einen goldenen Stern aufgeklebt und verweihnachtlichen die vielen kleinen Aufmerksamkeiten.

Da noch einige Euronen über waren, haben wir damit den Versand finanziert. Sobald die Kinder die Taschen in den Händen haben, werden wir Euch hier Bilder zeigen.

DANKE – MÈSI – MUCHAS GRACIAS

Mallorca, da sind wir daheim

Freitag – 15 05 2020

Nach wochenlanger, monatelange, jahrelanger Wartezeit ist unser Schatz endlich zuhause angekommen. Herzlich Willkommen auf Mallorca! Vielen Dank noch einmal an alle, die uns das ermöglicht haben!

Después semanas, meses, años de espera nuestra muñeca por fin ha llegado a casa. ¡Bienvenida a Mallorca! ¡Muchísimas gracias a todos los que hicieron esto posible!

Am Abend sitzen wir hier auf der Terrasse in der Abendsonne und sind einfach nur dankbar, dass wir in den vergangenen Wochen so unglaublich viel Unterstützung und grenzenlose Nächstenliebe erfahren haben, so dass in unserem Schlafzimmer nun dieses unglaublich süße, zarte Wesen liegt und uns Mama & Papa nennt 😃

Auf unserer schönen Sonneninsel angekommen, waren wir in der ersten Maschine, die den neuen Coronaregeln unterlag.
Wir wurden „nett“ von der Policia empfangen und durch verschiedene Kontrollstationen geführt. Nach dem Ausfüllen von unzähligen Formularen wurden wir am Ausgang vom spanischen Sender IB3 empfangen und beim Verlassen des Sicherheitsbereiches gefilmt. Was wir aber erst Abends durch eine Kursteilnehmerin von mir erfahren haben. ¿Datenschutz, hola? 😉

Hier der Beitrag – zwar auf spanisch, aber man kann gut erkennen, wie die Kontrolle verlief. 

Sie kann sprechen :-)

Am Mittwoch vor unserer Heimreise (Freitag 15.05.2020 – 6 Uhr ab Hamburg) waren wir mit Buggy und Hillary, die Puppe von Opa, spazieren und Néhémie hat plötzlich unter ihrer Kapuze mit uns verstecken gespielt und den vorbeifahrenden Autos freudig gewunken und „Bye, bye“ zugerufen. Das waren mit die ersten Worte unserer Püppi. Bevor wir zu unserem Spaziergang aufgebrochen sind, haben wir mit Oma geskyped und Nehou hat wie selbstverständlich „Hallo Oma“ nachgeplappert und in die Kamera gewunken. Philip und ich haben uns ganz verdutzt angeschaut und Oma selber hat es garnicht richtig für wahr genommen. Ich war so überwältigt, dass mir kleine Tränen kamen. Aus meinem Süssfratz kommen auch Töne. *JUCHHUUUUU*

14 05 2020 – 14 Uhr Berlin-Wedding

Es ist Donnerstag.  „Ich getraue mich gar nicht da anzurufen.“, sagt Philip. Er stellt sich an die Fensterbank und schaut seinen Mädels beim Kuscheln zu. 

Sein Telefon klingelt und der Mitarbeiter vom Bürgeramt teilt uns mit, dass wir den Pass für Néhémie abholen und somit morgen endlich nach Hause fliegen können. So witzig und freudig der gestrige Tag war, geht es heute also weiter. Wir können gemeinsam als Familie Koffer packen. Gesagt, getan. Püppi hat ganz eifrig mit Papa den Koffer gepackt. Sie liebt es Dinge an ihren Platz zu stellen und in eine Kiste zu packen. Diese vorher am liebsten 20 mal hintereinander auskippen und wieder einräumen. 

Danach sind wir zum Bürgeramt getuckert. Für 17 Kilometer eine knappe Stunde Autofahrt. Für Püppi gibt es viel zu entdecken, also ist das auch kein Problem für uns. Am Prenzlauer Berg angekommen haben die Mädels draußen auf Papa gewartet und ein wenig in der Sonne getanzt, den Vögels beim zwitschern und den spazierenden Hunden zugeschaut. Totale Faszination für unsere kleine Entdeckerin.
Dann kam Superdaddy endlich aus der Tür. Mit dem kleinem roten Büchlein in der Hand! „Huraaaaaaa“ rief er und Püppi riss ihre Arme hoch und plapperte wieder nach. 

Heute Nacht geht unsere Reise also weiter.
3 Uhr aufstehen, Auto packen und ab nach Hamburg. Auch das alles kein Problem mit Néhémie. Sie schaut aus dem Fenster in die dunkle Nacht und schläft dann irgendwann bis kurz vor Hamburg ein. Am Flughafen gibt es dann wieder viel zu entdecken. Auch für Mama. Das erste Mal wickeln im Wickelraum und das erste Mal im Flugzeug Starten und Landen mit ihrer Tochter.
Die Landung war etwas lauter. Nehou hat ganz dolle geweint. Die Ohren waren wohl zu, weil Mama und Papa noch nicht so gut mit Nasentropfen und Co. präpariert waren …..

Beim nächsten Flug wird´s angenehmer!

Bürgeramt Marzahner Promenaden

Pünktlich um 10.36 Uhr wurden wir am Eingang des Bürgeramtes „getrennt“.
„Es darf nur ein Elternteil das Kind zur Passausstellung begleiten.“

Na das fängt ja schon vielversprechend an….
Ich stellte mich also in die warme deutsche Sonne und wartete.

Eigentlich war mir irgendwie klar, dass das ja nicht so richtig sein kann. Mama und Papa sollten wohl beide der Ausstellung des Kinderreisepasses zustimmen müssen. So kamen meine zwei Liebsten nach 10 Minuten raus und pfiffen mich nach drinnen. 

Nach einigen weiteren Minuten und viel Tastenklimpern der Mitarbeiterin, sagte diese uns schließlich, sie hätte aus Versehen die Mama, also mich, in Néhémie umbenannt und wollte das rückgängig machen, was dazu führte, dass sie meinen kompletten Datensatz gelöscht hat.
Sie rief einen jungen Kollegen, der nach ein wenig hin- und herblättern in unseren Unterlagen, eine beglaubigte Übersetzung der Adoptionsurkunde haben möchte.

„Sie halten diese in Ihrer Hand.“, sagte Philip.
„Ah.“ , erwiderte Herr S..

Er müsse nun aber bei höherer Stelle den Datensatz wiederherstellen lassen, was 30 Minuten dauert und wir doch bitte noch eine Runde drehen möchten. 
Kein Problem für uns, das „eine extra Runde drehen“ kennen wir ja zu gut aus unserem Adoptionsverfahren.

In der Zeit sind wir in die nahe gelegene Apotheke um Püppi eine Augensalbe zu holen, sie hat sich ein Gerstenkorn aus Haiti mitgebracht,
und sind das erste Mal mit unserer Tochter durch ein Einkaufszentrum, zurück zum Bürgeramt geschlendert. Sie hat genüsslich eine Bretzel gefuttert und in die Schaufenster geschaut.

Wieder zurück an Tisch eins, bei Herrn S., sagte dieser uns – ich hab´s ja nicht anders erwartet -, dass wir unsere Adoption in Deutschland anerkennen lassen müssten. Auch der Hinweis, dass nach §2 der für uns geltende §3 kommt half nicht. Er übergab unsere Dokumente dem Standesamt, was am Donnerstag, EIN TAG VOR UNSEREM BEREITS GEBUCHTEN HEIMFLUG, darüber entscheiden soll, ob unsere !!Adoption nach Haager Abkommen!! rechtmäßig ist.

Ich möchte noch einmal erwähnen, dass wir alle Unterlagen bereits mehr als eine Woche vorher an das Bürgeramt gesendet haben und man uns per Mail bestätigte, dass der Reisepass damit ausgestellt werden kann. 
Herr S. meinte dazu „Ja, da sind so viele Leute involviert …“

Willkommen in Deutschland!

Der Moment …

… in dem Du Dein Kind nach über 7 Monaten wieder siehst, war bei uns so:

Sie kam mit ihrem kleinem rosa Rucksack, der auch nach 3 Wochen immer und überall dabei ist, auf uns zugelaufen.

Wie bei seiner eigenen Hochzeit, vergeht dieser Tag viel zu schnell und man ist so tief drinnen und überwältigt, dass man später die eigenen Gefühle gar nicht so wirklich wiedergeben kann.

***

09 05 2020 – Das Datum in meiner rechten Armbeuge (bald)

Wir sind also in der Nacht um 3.00 Uhr von Lingenfeld nach Karlsruhe gefahren. 
Das Gefühl beim Abbiegen in den Charterbereich war unbeschreiblich. In ein paar Minuten soll es endlich soweit sein. Wir sind eine Familie.

Im Ankunftsbereich trafen wir das erste Mal auf die anderen 2 Familien, die wir bisher nur aus unseren unzähligen Telefonkonferenzen kannten. Die Familie, bei der wir 5 Wochen gewohnt haben war noch nicht da. Wie wird das Wiedersehen mit ihnen?
Die Stimmung war sicherlich auch wegen der Masken- und Abstandpflicht sehr verhalten. Alle waren mega angespannt, eine herzliche Umarmung mit allen, die in den letzten Monaten mit uns in einem Boot saßen blieb deshalb aus.
Jede Familie hatte Geschenke für die Crew und natürlich für ihre Kinder dabei. Das am Vorabend angekündigte Fernsehteam und der Vorstand des anderen Vereins waren bei unserer Ankunft um 5.30 Uhr schon da. Wir haben uns mit Angelika, Markus und Angelikas Schwester und Nichte (unser Kamerateam) einen Fensterplatz gesucht und gespannt auf das Rollfeld geschaut.
Die Aschaffenburger Familie ist derweil auch eingetroffen. Eine Begrüßung ihrerseits blieb leider aus, was uns aber an diesem Morgen nicht weiter ärgerte. Die Hauptsache war ja, dass wir unsere kleine Püppi endlich in Empfang nehmen können.
Eeeewige Minuten vergingen, bis das Flugzeug vor unseren Augen landete und wir 4 voller Erleichterung laut klatschten und uns alle ganz fest umarmten. Die Polizisten gingen zum Flugzeug und kontrollierten alle Ausweise und die Crew stieg mit den ersten Kids aus. Die Eltern gingen an die große Drehtür, wo sich auch das Kamerateam positionierte und die Übergabe eines Kindes an Ihre Adoptiveltern filmte. Zu diesem Zeitpunkt war uns noch nicht bewusst, dass unsere Aschaffenburger Gastgeber sich  dafür entschieden haben, dem Fernsehsender einen Beitrag zugeben, der uns im Vorfeld noch nicht einmal bei unserer Spendenaktion zur Seite stehen wollte. „10 Kinder sind zu wenig für einen Beitrag.“

Knappe 10 Minuten später wurde endlich unsere Néhémie in den Armen des Piloten aus dem Flugzeug getragen. In der Mitte der Drehtür hat er sie abgesetzt und sie kam mit ihrem kleinen rosa Rucksack, der auch nach 3 Wochen noch immer und überall dabei ist, auf uns zugelaufen. Bei Mama in den Armen und mit Papa an der Seite haben wir uns alle drei gaaaaanz fest gedrückt und den ersten Familienkuss ausgetauscht. Sie roch noch immer ganz doll nach unserem Baby und ihre Haut ist noch immer so zart wie vor 7 Monaten. Ich begutachtete Sie von oben bis unten, hielt ihre kleine warme Hand ganz fest und sagte ihr, dass wir sie nie nie wieder loslassen und sie nun endlich für immer „Zuhause“ ist. 

Wir haben alle drei etwas getrunken und sind dann auch schon ganz fix zur ersten Wickelsession geeilt. Auf dem Bürotisch im Charterbereich sollten wir endlich wieder ihr schickes kleines Bäuchlein, ganz ohne Stoff streicheln und liebkosen können. Was für ein inniger Moment für Mama und Tochter. Jedes Mal verlangt sie danach. Mama busselt den Bauchnabel, bevor sie ihr Oberteil, mit verschmitztem Lächeln nach unten zieht. 😛

Nach ein paar Fotos und kurzen Gesprächen mit den holländischen Müttern sind wir zurück zur Ferienwohnung gefahren. Das erste Mal zu dritt im Auto, dass erste Mal für Néhémie im Kindersitz, das erste Mal mit Mama und Papa on Tour. Eine knappe Stunde sind wir gefahren. Ich habe mit ihr auf der Rückbank gesessen und gefühlt die ganze Fahrt nur nach links zu ihr geschaut. Meine Hand hat ihr kleines Bein nicht losgelassen. 
Sie saß voller Spannung neben mir und schaute aus dem Fenster.
Was geht in diesem kleinem Kopf wohl vor sich? 

Im Ferienhaus angekommen haben wir die Mädels geduscht und in eigene, passende Klamotten gesteckt. Alle 6 zusammen haben wir den Frühstückstisch gedeckt und ausgiebig gefuttert, getrunken und geflaxt. 

Danach sind wir alle müde ins Bett gefallen und haben uns am Nachmittag im Garten wieder getroffen. 

Die nächsten zwei Tage haben wir ruhig mit Spazieren gehen, Essenstests, dem Ausprobieren des Buggys und dem Staunen, was denn unsere Mädels schon so alles selbständig machen verbracht. Allein vom Teller löffeln, morgens das Fläschchen trinken, Zähneputzen, Schuhe und Oberteil anziehen ist bei unseren 2.5 jährigen Püppis überhaupt kein Problem. Philip sagt immer „Das sind eben Heimkinder.“ 

Am Montag ging es zu dritt zurück nach Berlin. Über Wiesbaden und Jena, wo wir von einem Teil unserer Familien erwartet wurden …